|
aussetzungen könne es für die Kirche notwendig werden, „nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen". Dietrich Bonhoeffer, der Gelehrtentyp mit dem nüchternen Verstand, begann das schwierige Handwerk eines politischen Verschwörers zu erlernen. Auf raffinierte Weise schleuste er vom Tod bedrohte Juden über die Reichsgrenze. Von der Abwehr ließ er sich als „Geheimagent" ins Ausland schicken, wo er Kontakte zum deutschen Widerstand herstellte. Im April 1943 wurde er verhaftet. Er wartete auf den Tod, mit dem er sich nach langem Aufbäumen ausgesöhnt hatte. Am frühen Morgen des 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im oberpfälzischen Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Im tristen Dunkel der Gefängniszelle, während Gott sich zu verhüllen schien, hatte er einen trotzig-vertrauensvollen Glauben gelernt. Was er damals niederschrieb, hat seither unzähligen Christen geholfen, die im „nachchristlichen" Zeitalter dieselbe Erfahrung machen: Gott schweigt - und Glauben erscheint riskant, schwer, manchmal unmöglich. Man müsse heute in der Welt leben, „als ob es Gott nicht gäbe", gibt der Häftling Bonhoeffer zu bedenken. Gott ist da in dieser Welt, aber nicht als majestätischer Herrscher, sondern als Leidender, ohnmächtig, dienend. Gott leidet mit seiner Welt
|
|