Engel-Tage

EVANGELISCHE KIRCHE
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Als ich dieses Gedicht las, fiel mir wieder die Frau ein, die ich kenne. Sie wohnt ein wenig weg von hier, in einem rheinhessischen Dorf. Ihre Nieren funktionieren nicht Sie ist schon lange krank.
Ein über den anderen Tag muss sie an ein Dialysegerät angeschlossen werden. nicht mehr. Dicke Nadeln kommen dann in ihren Arm. Das geht manchmal gut und manchmal tut es auch sehr weh.
Über zehn Jahre geht das nun schon so. Sie hatte einen liebenden Mann, der hatte gelernt ein solches Gerät zuhause zu bedienen. Sie hatten viele Freunde und feierten oft, trafen sich zum Essen. Sie kocht gerne und gut, auch wenn sie selbst von den Speisen gar nicht so viel essen darf. Durch ihre Krankheit ist sie schon eingeschränkt. Sie hatte dieses Leben so angenommen und war zufrieden, hat alles akzeptiert. Dann ist ihr Mann nach einem Jahr Siechtum an einer bösen Krankheit gestorben.
Zur Dialyse muss sie nun in die Klinik. Mit ihrem Mann sind auch alle Freunde und Bekannte gestorben.
Nein, sie sind nicht tot, aber sie kommen nicht mehr. Immer, wenn sie anruft, heißt es: „Nein, wir haben Dich nicht vergessen, wir kommen schon. Zur Zeit ist halt ein wenig knappe Zeit, aber nein, wir lassen dich nicht alleine!" Nur, es kommt nie jemand und es ruft auch niemand an.
Und dann sehe ich wieder, wie sie zum Wochenende viel zu viel einkauft, als dass sie es alleine essen könnte.
'Sie haben ja gesagt, vielleicht mal am Wochenende...'  schaut sie mich hoffnungsvoll an.
Aber ich höre nie, dass jemand da gewesen ist. Und nächstes Wochenende kauft sie wieder zu viel ein.
Ganz besonders für diese Frau, aber auch für Sie alle wünsche ich einen Engel, der Sie an die Hand nimmt und mit einem Händedruck Sie spüren lässt: Ich bin bei Dir und für dich.
Gesegnete Weihnachten!

Kirsten Budde