Seite 2 Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

Erntedankfest, Dekanatsfrauentag, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Ewigkeitssonntag sind die Themen, die mir durch den Kopf gingen, als ich mich an die Vorbereitungen zu diesem Kirchenboten machte. Ideen zum Vorwort gingen mir durch den Kopf, als meine Gedanken durch eine Radiomeldung aufschreckten. Es war am Nachmittag des 11. September, als gemeldet wurde, der zweite Turm des World-Trade-Centers sei eingestürzt.
Die Bilder, die ich dann im Fernsehen sah und immer wieder vor mir sehe, machen alle Gedanken zunichte.
Was ist da passiert? Tränen schießen mir in die Augen, ich suche die Nähe meiner Frau, meiner Kinder. Die Sorge explodiert, was wird jetzt passieren.
Immer wieder stellt sich mir die Frage, wie Menschen zu solchem Grauen fähig sind. Zu Taten, die die Grundfeste meines Glaubens erschüttern, die im übrigen den Werten aller großen Religionen völlig zuwiderlaufen - auch denen des Islam.
Den ganzen Abend, die halbe Nacht hängen meine Augen an den Fernsehbildern, bin ich einer unheimlichen Faszination erlegen, die mich zugleich in Angst erstarren lässt.
Am nächsten Morgen wieder Fern

sehen. Da sehe ich ein Bild aus New York: Ruinen des WTC in Rauch und Nebelschwaden.

Ich sehe die drei Kreuze von Golgatha. Unwirklich, aus vielen kleinen Kreuzen, inmitten der Trümmerberge. Wie zum Zeichen: Gott ist mitten unter den Opfern.
Gott ist da, auch in den Momenten, die nur gottverlassen und furchtbar erscheinen. Gott ist kein Puppenspieler und wir sind keine Marionetten, bei denen jede Bewegung von Gott gelenkt wäre. Unsere Verantwortung für uns, für unser Leben ist Gottes Geschenk an uns. Wenn wir verantwortungsvoll mit dieser Gabe umgehen, dann können wir durch nichts tiefer fallen als immer wieder in Gottes Hand.
Stellen wir uns dem Leben! Gerade wegen aller menschlichen Grausamkeiten. Und: Beten wir für den Frieden. Eine Möglichkeit dazu:
Jeden Freitag 20:00 Uhr Friedensgebet in der Evangelischen Kirche.
Der Friede Gottes sei mit Ihnen!